May 24 2009

Lese- und Hörprobe aus Marions Essayband ‘Zwischen den Zeilen’

Der Anthologieband „Zwischen den Zeilen“ von Marion Fugléwicz-Bren erscheint demnächst als Buch; ein Hörbuch ist geplant.

Christoph Dostal

Die Titelgeschichte, eine Liebesphantasie, portraitiert eine virtuelle (Nicht-)Begegnung. Genießen Sie hier auf der Carla´s Café-Website exklusiv eine Lese- und demnächst eine Hörprobe.Gelesen wird sie vom österreichischen Tänzer, Theater-, TV- und Filmschauspieler Christoph Dostal, der derzeit mit seinen Wolf Haas Soloprogrammen international Furore macht und neuerdings von einem renommierten Management in Hollywood repräsentiert wird.

Hörprobe “Zwischen den Zeilen”

Zwischen den Zeilen – 1. Kapitel

Zwischen den Zeilen – Dialog

Leseprobe „Zwischen den Zeilen“

Felicitas hält die Luft an.

„Darf ich?“

„Bitte….“

Novalis hat sich neben Felicitas gesetzt. Er riecht nach Salz und Meer.

Die hochinteressante Universalgrammatik, von der Noam Chomsky, ein von Felicitas sehr geschätzter amerikanischer Linguistiker und Philosoph, spricht, steht plötzlich – wenn auch nur metaphorisch – im Raum und Felicitas versucht mit übermenschlicher Anstrengung, das Gehörte auch wirklich aufzunehmen, das sie fesselt und fasziniert. Aber ihre Sinne sind hochgradig anderweitig in Mitleidenschaft gezogen und sie kämpft um Konzentration.

„Grammatikalischen Prinzipien unterliegende Sprachen sind festgelegt und angeboren, der Unterschied zwischen den Weltsprachen kann durch das Setzen von Parametern im Gehirn charakterisiert werden was oft mit Schaltern verglichen wird…“

Der Professor sieht Felicitas direkt in die Augen und bezieht sich auf eine Anmerkung, die sie vor ein paar Minuten zu dem Thema gemacht hat: „Können Sie Ihren Beitrag dazu näher ausführen, Frau Kollegin?“ Felicitas bemüht sich, nicht zu stottern: „Wir sind uns der Strukturprinzipien unserer Universalsprache im Allgemeinen genauso wenig bewusst, wie wir es uns der meisten unserer biologischen und kognitiven Eigenschaften sind, sagt Chomsky und hier kann ich ihm aus meiner Berufspraxis nur beipflichten“…

„Danke, wir werden nach der Kaffeepause näher darauf eingehen.“

Endlich. Pause.

Felicitas´ Kopf glüht. „Darf ich Ihnen einen Cappuccino mitbringen?“ Auch noch gute Kinderstube… ihre Stimme versagt beinahe und das „gern, danke“ ist kaum hörbar. Sie lächelt den großen Mann freundlich an. Eigentlich ist da kein Mann. Es ist ein Paar aquamarinfarbener Augen.

„Musiker. Das heißt, eigentlich Musikwissenschaftler“ antwortet Novalis, der in Wirklichkeit Ben heißt, auf die Frage nach seinem Beruf oder seiner Fachrichtung. Man geht zum studentischen „Du“ über. Ein zartes Abtasten gegenseitiger Interessen. Unschuldig und professionell – beinahe beliebig. Dennoch zittern Felicitas´ Hände.

Der Nachmittag verläuft ohne besondere Vorkommnisse, Wissen wird vermittelt, Erfahrungen werden ausgetauscht – und Visitenkarten.
Dr. Ben Bellheim, Musiker steht da nur auf der weißen, sehr minimalistisch gestalteten Karte und seine Email-Adresse.

„Sprache und Musik ist für mich ein Konglomerat und hängt sehr eng zusammen. Ich würde dir gern eine Komposition schicken und deine Meinung dazu hören – vielleicht hast du dazu Textideen?“

„Libretto oder Songtext?“ fragt Felicitas belustigt zurück.

„Hör´ es dir einfach an…

Man trinkt noch ein Glas Wein am Buffet und trennt sich dann.

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